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Anne,
deine Saison ist top gelaufen. Was war für dich der
Höhepunkt?
Natürlich die fünf Turniersiege.
Es war jedes mal wieder unglaublich für mich, tatsächlich
das ganze Turnier gewonnen zu haben. Besonders meinen ersten
Sieg in Getxo werde ich wohl nie vergessen. Da hab ich auf
der Bank direkt nach dem Match – noch vor der Siegerehrung –
erstmal meine Mutti angerufen. Die wollte es auch gar nicht
glauben. Dass sich so viele Leute immer mit mir gefreut
haben, das fand ich auch spitze. Die vielen Glückwunsch-SMS,
die ich nach meinen Siegen bekommen habe, die vielen Mails
und Anrufe und auch die vielen Einträge hier im Gästebuch –
das alles ist mir sehr wichtig und hat mich riesig gefreut.
Du
hast in diesem Sommer in der WTA-Rangliste einen Sprung um
über 400 Plätze gemacht. Wie erklärst du dir diese
Steigerung?
Da steckt schon jahrelange
Arbeit zusammen mit meinem Trainer Herrn Tonnecker drin. Und
in der Sommersaison hat einfach alles gepasst. Gleich zu
Anfang der Saison habe ich viel Selbstbewusstsein getankt,
als ich in Österreich zwei Matches für das Kornspitz-Team
Oberösterreich bestreiten durfte. Das Team spielt in der
Superliga, der höchsten österreichischen Liga. Auf Grund
vieler Ausfälle in der Mannschaft musste ich an Position 1
spielen und ich denke, ich hab mich wacker geschlagen –
obwohl ich beide Spiele verloren hab. Besonders das Match
gegen Yvonne Meusburger (sie steht so etwa auf Position 150
in der WTA-Rangliste) hab ich nach großem Kampf erst im
dritten Satz verloren. Danach hab ich soviel Lob und
Anerkennung für mein Spiel bekommen – davon hab ich
eigentlich die ganze Saison gezehrt.
Dann habe ich in diesem Sommer
sehr konstant gespielt. Es ist mir – auch bei meinen
Niederlagen - fast immer gelungen, meine beste Leistung
abzurufen. Ich kann mich eigentlich nur an zwei Matches
erinnern, wo das nicht geklappt hat. (Und das eine davon hab
ich sogar trotzdem noch gewonnen. )
Und der letzte Punkt ist: Ich
bin mental viel stärker geworden. Ich lasse mich bei einem
Match nicht mehr so leicht aus der Ruhe bringen, sondern
weiß, dass ich mir und meinem Spiel vertrauen kann. Wenn ich
so ruhig bleibe, kann ich die Situation auf dem Platz auch
viel besser analysieren und mir eine Strategie zurecht
legen. Und sollte die nicht aufgehen, hab ich auch immer
noch einen „Plan B“ parat.
Nach
so einer Saison hast du doch bestimmt eine Menge Anfragen
von Bundesliga-Vereinen gehabt. Aber du spielst trotzdem
weiter für den Erfurter TC Rot-Weiß?
Ja, es gab eine Reihe Anfragen.
Aber ich fühle mich in Thüringen sehr wohl. Wir haben eine
tolle Trainingsgruppe und sind alle gut miteinander
befreundet. Auch außerhalb des Trainings unternehmen wir oft
gemeinsam etwas. Das möchte ich nicht missen.
Unsere Mannschaft hat zwar das
Aufstiegsspiel zur Regionalliga verloren, aber seit ein paar
Tagen steht fest, dass wir als „Nachrücker“ trotzdem im
nächsten Jahr in der Regionalliga dabei sind. Auf die
gemeinsamen Fahrten mit der Mannschaft zu den
Auswärtsspielen freue ich mich schon jetzt. Wenn man wie ich
sonst fast immer allein unterwegs ist, ist das etwas ganz
Besonderes.
Fast immer allein auf den
Turnieren - war das nicht ziemlich schwierig?
Ach, so schlimm war das gar
nicht. Es waren ja immer noch einige andere deutsche
Spielerinnen bei den Turnieren. Mit ihnen habe ich mich
immer gut verstanden und wir haben uns auch gegenseitig
unterstützt und bei unseren Spielen angefeuert. Außerdem
glaube ich, dass ich durch das Allein-Reisen viel
selbstständiger geworden bin. Man muss sich eben um alles
selbst kümmern: Unterkunft, Trainingspartner, Reiseplanung
usw. Und auch meine Matches musste ich allein auswerten.
Doch letztlich hat mich das alles ein Stück weitergebracht –
auf und auch neben dem Platz.
Aber die Turniere, zu denen mich
mein Trainer oder mein Freund begleitet haben, die hab ich
natürlich ganz besonders genossen.
Dein
Freiwilliges Soziales Jahr beim Thüringer Tennisverband hast
du ja im August beendet. Was machst du jetzt neben dem
Tennis?
Ich hab vor einigen Wochen ein
Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Fernuniversität
Hagen begonnen. Obwohl es „nur“ ein Teilzeitstudium ist,
füllt es mich neben dem Tennis zur Zeit voll aus. Aber es
macht mir viel Spaß und ich genieße es, Neues zu lernen und
zu erfahren.
Wie geht es jetzt für dich
weiter? Hast du deine Wintersaison schon geplant?
Jetzt mach ich erstmal ein paar
Wochen Turnierpause. Das hab ich im Oktober/November schon
immer so gemacht und es hat mir immer gut getan. Spezielle
Turniere hab ich vorerst nicht geplant. Obwohl ich jetzt
einen ganz guten WTA-Rang hab, muss ich schauen, bei welchen
Turnieren ich ins Feld komme. In der Wintersaison ist das
immer ein bisschen schwieriger. Es gibt weniger Turniere,
auf die sich die vielen Spielerinnen verteilen können. Auf
jeden Fall hoffe ich, einige Male in die Qualifikation für
ein 25.000$-Turnier zu kommen. Das wird sich aber meistens
erst sehr kurzfristig entscheiden.
Doch als allererstes freue ich
mich jetzt auf ein paar Tage Urlaub mit meinem Freund.
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