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Anne Schäfer


Homepage-Interview  vom 21.10.06

 Anne, deine Saison ist top gelaufen. Was war für dich der Höhepunkt? 

Natürlich die fünf Turniersiege. Es war jedes mal wieder unglaublich für mich, tatsächlich das ganze Turnier gewonnen zu haben. Besonders meinen ersten Sieg in Getxo werde ich wohl nie vergessen. Da hab ich auf der Bank direkt nach dem Match – noch vor der Siegerehrung – erstmal meine Mutti angerufen. Die wollte es auch gar nicht glauben. Dass sich so viele Leute immer mit mir gefreut haben, das fand ich auch spitze. Die vielen Glückwunsch-SMS, die ich nach meinen Siegen bekommen habe, die vielen Mails und Anrufe und auch die vielen Einträge hier im Gästebuch – das alles ist mir sehr wichtig und hat mich riesig gefreut. 

Du hast in diesem Sommer in der WTA-Rangliste einen Sprung um über 400 Plätze gemacht. Wie erklärst du dir diese Steigerung? 

Da steckt schon jahrelange Arbeit zusammen mit meinem Trainer Herrn Tonnecker drin. Und in der Sommersaison hat einfach alles gepasst. Gleich zu Anfang der Saison habe ich viel Selbstbewusstsein getankt, als ich in Österreich zwei Matches für das Kornspitz-Team Oberösterreich bestreiten durfte. Das Team spielt in der Superliga, der höchsten österreichischen Liga. Auf Grund vieler Ausfälle in der Mannschaft musste ich an Position 1 spielen und ich denke, ich hab mich wacker geschlagen – obwohl ich beide Spiele verloren hab. Besonders das Match gegen Yvonne Meusburger (sie steht so etwa auf Position 150 in der WTA-Rangliste) hab ich nach großem Kampf erst im dritten Satz verloren. Danach hab ich soviel Lob und Anerkennung für mein Spiel bekommen – davon hab ich eigentlich die ganze Saison gezehrt.  

Dann habe ich in diesem Sommer sehr konstant gespielt. Es ist mir – auch bei meinen Niederlagen - fast immer gelungen, meine beste Leistung abzurufen. Ich kann mich eigentlich nur an zwei Matches erinnern, wo das nicht geklappt hat. (Und das eine davon hab ich sogar trotzdem noch gewonnen. ) 

Und der letzte Punkt ist: Ich bin mental viel stärker geworden. Ich lasse mich bei einem Match nicht mehr so leicht aus der Ruhe bringen, sondern weiß, dass ich mir und meinem Spiel vertrauen kann. Wenn ich so ruhig bleibe, kann ich die Situation auf dem Platz auch viel besser analysieren und mir eine Strategie zurecht legen. Und sollte die nicht aufgehen, hab ich auch immer noch einen „Plan B“ parat. 

Nach so einer Saison hast du doch bestimmt eine Menge Anfragen von Bundesliga-Vereinen gehabt. Aber du spielst trotzdem weiter für den Erfurter TC Rot-Weiß?

 Ja, es gab eine Reihe Anfragen. Aber ich fühle mich in Thüringen sehr wohl. Wir haben eine tolle Trainingsgruppe und sind alle gut miteinander befreundet. Auch außerhalb des Trainings unternehmen wir oft gemeinsam etwas. Das möchte ich nicht missen.

 Unsere Mannschaft hat zwar das Aufstiegsspiel zur Regionalliga verloren, aber seit ein paar Tagen steht fest, dass wir als „Nachrücker“ trotzdem im nächsten Jahr in der Regionalliga dabei sind. Auf die gemeinsamen Fahrten mit der Mannschaft zu den Auswärtsspielen freue ich mich schon jetzt. Wenn man wie ich sonst fast immer allein unterwegs ist, ist das etwas ganz Besonderes. 

Fast immer allein auf den Turnieren - war das nicht ziemlich schwierig? 

Ach, so schlimm war das gar nicht. Es waren ja immer noch einige andere deutsche Spielerinnen bei den Turnieren. Mit ihnen habe ich mich immer gut verstanden und wir haben uns auch gegenseitig unterstützt und bei unseren Spielen angefeuert. Außerdem glaube ich, dass ich durch das Allein-Reisen viel selbstständiger geworden bin. Man muss sich eben um  alles selbst kümmern: Unterkunft, Trainingspartner, Reiseplanung usw. Und auch meine Matches musste ich allein auswerten. Doch letztlich hat mich das alles ein Stück weitergebracht – auf und auch neben dem Platz.  

Aber die Turniere, zu denen mich mein Trainer oder mein Freund begleitet haben, die hab ich natürlich ganz besonders genossen. 

Dein Freiwilliges Soziales Jahr beim Thüringer Tennisverband hast du ja im August beendet. Was machst du jetzt neben dem Tennis? 

Ich hab vor einigen Wochen ein Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Fernuniversität Hagen begonnen. Obwohl es „nur“ ein Teilzeitstudium ist, füllt es mich neben dem Tennis zur Zeit voll aus. Aber es macht mir viel Spaß und ich genieße es, Neues zu lernen und zu erfahren.

 Wie geht es jetzt für dich weiter? Hast du deine Wintersaison schon geplant? 

Jetzt mach ich erstmal ein paar Wochen Turnierpause. Das hab ich im Oktober/November schon immer so gemacht und es hat mir immer gut getan. Spezielle Turniere hab ich vorerst nicht geplant. Obwohl ich jetzt einen ganz guten WTA-Rang hab, muss ich schauen, bei welchen Turnieren ich ins Feld komme. In der Wintersaison ist das immer ein bisschen schwieriger. Es gibt weniger Turniere, auf die sich die vielen Spielerinnen verteilen können.  Auf jeden Fall hoffe ich, einige Male in die Qualifikation für ein 25.000$-Turnier zu kommen. Das wird sich aber meistens erst sehr kurzfristig entscheiden.  

Doch als allererstes freue ich mich jetzt auf ein paar Tage Urlaub mit meinem Freund.