24.8.
Turnierbericht von den 10.000$-Turnieren in Polen
(Gdynia und Kedzierzyn-Kozle)
An einem Sonntagmorgen startete ich meine Reise zum
10.000$-Turnier nach Gdynia (Polen). Mit dem Zug fuhr ich
nach Hamburg und von dort aus mit dem Bus zum Flughafen
Lübeck, denn im Internet hatte ich einen Billigflug von
Lübeck nach Danzig bekommen. In Danzig gelandet, fuhr ich
mit dem Taxi schließlich zum Quartier. Doch es war gar nicht
so einfach eine Unterkunft zu finden. Da Gdynia ein
Urlaubsort ist, waren fast keine Zimmer mehr frei (noch
nicht einmal im Spielerhotel). Schließlich konnte sich eine
Spielerin, mit der ich mir ein Doppelzimmer teilen wollte,
noch an ein Hotel vom letzten Jahr erinnern. Zwar war dieses
25min Autofahrt von den Tennisplätzen entfernt, aber dafür
gab es noch freie Zimmer. Die Spielerin ist mit ihrem
Trainer zusammen im Auto angereist, so dass wir auch eine
Fahrmöglichkeit zur Anlage hatten.
Der Turnierort Gdynia liegt an der Ostsee und der Tennisclub
war noch nicht mal 2min vom Strand entfernt. Die Anlage ist
mit 19 Sandplätzen, 3 Traglufthallenplätzen, 1 Hartplatz und
einem sehr schönem Clubhaus ziemlich groß. Das Faszinierende
aber war, dass egal zu welcher Tageszeit eigentlich immer
alle Plätze durch Clubmitglieder, sowie Jugend- und
Erwachsenentraining belegt waren. Für die Durchführung
unseres Turniers standen den Spielern 4 Match- und 2
Trainingsplätze zur Verfügung – auf denen natürlich auch
immer gespielt wurde.
Neben mir und meiner Zimmerpartnerin waren noch ein paar
andere deutsche Spielerinnen da. Mit Franzi Götz spielte ich
wieder Doppel. Wir gewannen die 1. Runde (gegen das
tschechische Paar Martina Balogova/Lind Hricistova 6:3 und
6:1), doch leider wie auch schon in Horb, mussten wir uns im
Viertelfinale dann knapp gegen die späteren Finalistinnen
geschlagen geben (6:7/5:7).
Im Einzel siegte ich in meinem Einzel-Erstrundenmatch gegen
die Engländerin (die aber in Polen lebt) Maria Spenceley mit
6:1/6:1 und auch in der 2. Runde hatte ich keine weiteren
Probleme gegen die kleine Polin Hanna Kapustka.
Im Viertelfinale gegen die Tschechin Radana Holusova
sollte es dann aber schon etwas schwieriger werden. Im
1.Satz bekam ich mit 0:6 einen regelrechten Abschuss. Dann
stellte ich mein Spiel um, spielte länger, variabler und
servierte gut. So gewann ich den 2. Durchgang mit 6:3 und
nach hart umkämpften Spielen auch den 3. Satz (6:1).
Da wir nur ein Einzelmatch pro Tag hatten, blieb auch
genügend Zeit für einen Stadtbesuch und einen Spaziergang
entlang der Strandpromenade. Der Blick auf das Meer war
einfach umwerfend! Dazu kam, dass man in den umliegenden
Restaurants für wenig Geld sehr leckeres Essen bekam.
Am Freitag dann fuhren die anderen deutschen Spielerinnen
leider nach Hause, so dass ich mir eine neue Unterkunft
suchen musste (da ich ja nun keine Mitfahrgelegenheit hatte
und auch in Polen eine 25minütige Taxifahrt ziemlich teuer
gewesen wäre). Ich fragte bei der Turnierleitung nach, ob
sie noch eine Unterkunft für mich wüssten. Nach über einer
halben Stunde Suchen und Telefonieren haben sie noch ein
kleines Zimmer in einem der Plattenbauten in der Stadt für
mich gefunden – nichts Großes, aber mit einem Bett, einem
Bad und einem Kühlschrank. Von dort aus musste ich nur ca.
10min mit dem Taxi fahren (einen Shuttleservice vom Turnier
gab es leider nicht).
Allerdings gab es da ein Problem, denn ich stand am nächsten
Morgen zur ausgemachten Zeit vor dem Haus, doch es kam
einfach kein Taxi. Da es regnete, hoffte ich, dass das Taxi
in den nächsten Minuten kommen würde – doch es geschah
nichts, außer, dass ich immer weiter durchnässte... Ich rief
das Turnierbüro an, die das Taxi für mich bestellt hatten,
aber da nahm keiner ab. So versuchte ich meine Situation der
Zimmervermieterin am Telefon deutlich zu machen, so dass sie
ein neues Taxi bestellte - jedoch mit dem Problem, dass sie
weder Englisch noch Deutsch verstand und ich keinen Schimmer
von Polnisch hatte... Ich weiß nicht, ob sie mein Anliegen
begriffen hat oder ob es normal war, dass sich die polnische
Pünktlichkeit bis auf fast 50min ausdehnen konnte. Auf jeden
Fall kam dann nach einer guten Dreiviertelstunde Wartezeit
doch noch ein Taxi, was mich auf die Anlage brachte.
Zwar kam ich etwas verspätet zum Training, doch die Hektik
am Morgen hatte keine negativen Auswirkungen auf das Spiel.
Im Gegenteil, ich spielte richtig gut gegen die
zweitgesetzte Polin Natalia Kolat und siegte mit 6:0/6:1.
Am Finaltag fanden auf der Turnieranlage noch 3
Hobbyturniere statt, so dass sehr viele Leute dort waren und
einige schauten sich dann gleichzeitig auch unser Finale an.
Bei einem der Hobbyturniere spielte der amtierende polnische
Seniorenmeister mit, der sich auch als Einspielpartner für
mich zur Verfügung stellte.
Ich startete dann gut ins Finalspiel und ging gleich mit 3:0
in Führung. Meine Gegnerin Oksana Teplyakova aus der Ukraine
traf dann aber etwas besser, doch es gelang mir den Satz mit
6:3 zu gewinnen. Der zweite Satz war dann etwas knapper,
doch beim Stand von 5:5 machte ich die entscheidenden Punkte
zum 7:5.
Ich freute mich sehr über nun schon meinen dritten
Turniersieg in dieser Saison und ich bekam auch einen
wunderschönen Pokal.
Schon am nächsten Tag machte ich mich dann auf zum Turnier
in Kedzierzyn-Kozle, einem weiteren „10er“ in der Nähe von
Katowitz.
Da das eher im Süden von Polen liegt, stand mir eine
9stündige Zugfahrt bevor. Meine Zimmervermieterin machte mir
dann wieder mit Händen und Füßen deutlich, dass ich ja auf
mein Geld und mein Gepäck aufpassen soll, denn sie sagt
selber, dass Taschendiebe in Polen weit verbreitet sind. Sie
machte mir da fast schon Angst, denn sie erzählte was von
Messern und Handgreiflichkeiten, die oft bei solchen
Diebstählen eingesetzt werden... Naja, im Endeffekt war es
zwar eine anstrengende aber sonst ganz ruhig verlaufende
Zugfahrt. Da die Leute in meinem Abteil auch ganz
vertrauenswürdig aussahen, habe ich mir auch ein paar
Stunden Schlaf gegönnt. Und so kam ich dann am späten
Montagnachmittag mit all meinen Sachen *g* auf der
Turnieranlage an.
Im Gegensatz zu Gdynia ist Kedzierzyn-Kozle eher eine
kleinere Stadt und um die Tennisplätze war nicht sehr viel,
außer zwei Supermärkten und jeder Menge Plattenbauten.
Auch die Anlage war mit 3 Sandplätzen (einer davon hatte
keine Doppellinien) und 2 Kunstrasenplätzen etwas kleiner,
aber dafür sehr gemütlich. Das Beste war, dass das Hotel
gleich neben den Plätzen steht. Das war echt richtig
angenehm für die Spieler, denn so konnte man sich längere
Wartezeiten gemütlich im Hotelzimmer vertreiben, um dann
ganz ausgeruht ins Match zu gehen. Im Hotel war auch ein
kleines Restaurant mit extra Turnierpreisen.
Da es die gleiche Oberschiedsrichterin wie in Gdynia war,
wusste sie, dass ich am Tag zuvor noch dort gespielt habe
und hat mein Match erst für den zweiten Tag angesetzt.
Auch hier waren noch andere deutsche Spielerinnen da, so
dass man immer jemanden zum Trainieren und Quatschen
gefunden hat.
Im Doppel trat ich zusammen mit Karolina Nowak an – jedoch
verloren wir gleich in der 1. Runde (eine unsere Gegnerinnen
war die ehemalige Nr. 90 der Doppel-WTA-Liste, also die
spielten schon ganz gut *g*).
Im Einzel lief es aber besser. Zu erst besiegte ich die aus
Schweden stammende Polin Karoline Domanski mit 6:3/6:3 und
mit dem gleichen Ergebnis bezwang ich in Runde 2 auch Sylwia
Zagorska aus Polen.
Im Viertelfinale traf ich dann wiederum auf Natalia
Kolat, gegen die ich schon in Gdynia im Halbfinale spielte.
Ich fühlte mich an dem Tag nicht gut, denn irgendwie waren
mir diesmal die Nudeln nicht so bekommen und ich spielte
nicht so gutes Tennis. Doch es war auch nicht so ganz ihr
bester Tag, so dass es zum 6:3/6:2 für mich reichte.
Im Halbfinale traf ich auf Lucie Kriegsmannova. Sie
spielte bisher ein sehr gutes Turnier und sie kämpfte auch
bis zum Schluss. Es waren lange Ballwechsel, die das Match
dominierten. Ich musste viel kämpfen, was sich am Ende auch
mit einem 6:4/6:4-Sieg bezahlbar machte.
Im Finale stand mir dann die Tschechin Katarina
Vankova gegenüber. Schon im Laufe des Turniers verstand ich
mich sehr gut mit ihr und da am Finaltag keine anderen
Spieler mehr auf der Anlage waren, spielten wir uns vor dem
Finale sogar noch gemeinsam warm. Das hat uns beiden
geholfen, so dass wir im Endspiel den Zuschauern ein richtig
gutes Match zeigten (es war sogar das Fernsehen da und ein
Radioreporter, der unser ganzes Spiel kommentierte).
Nach 1:3 im ersten und 2:4 im zweiten Satz gelang es mir
immer die „Big Points“ zu machen, so dass beide Sätze sehr
knapp waren, doch ich beide für mich entscheiden konnte. Und
nach dem Match war ich wieder sehr glücklich und freute mich
über meinen 4. Turniersieg.
Dass es eine so erfolgreiche „Polenreise“ werden würde, das
hatte ich nicht gedacht ... aber die Tour war noch nicht
vorbei, denn nach dem Finale musste ich mich sehr beeilen,
um noch den Zug nach Hause zu erreichen. Dieser hatte dann
jedoch 20min Verspätung, so dass der Anschlusszug warten
musste, damit wir noch mitkamen. Als sich dieser an der
Grenze auf Grund eines Vorfalls aber auch noch etliche
Verspätung einholte, war es fast unmöglich mit der Bahn in
der Nacht noch nach Hause zu kommen. Also haben sich meine
Eltern auf den Weg gemacht, mich von Berlin abzuholen. So
lag ich dann doch noch um 4Uhr Morgens in meinem Bett und
habe die zwei Wochen noch mal Revue passieren lassen.
Mein nächstes Turnier ist ein
25.000$-Turnier, bei dem ich in die Qualifikation gekommen
bin. Da freue ich mich natürlich sehr d´rauf und mal sehen,
was noch für Erlebnisse auf sich warten lassen.
Abschluss-Tableaus:
- Einzel -
- Doppel - |